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Ressort Regional
Erschienen am 19.03.2010 00:00
Ehrung
"Man muss einfach etwas bewegen!"
Marina Richter aus Römhild erhielt für ihr ehrenamtliches Engagement die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Von Susann Winkel
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Seit einer Woche ist die Römhilderin Marina Richter Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Foto: Susann Winkel
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Römhild - Der schwungvolle Namenszug in königsblauer Tinte scheint noch immer ein wenig zu glänzen. "Hat er nicht eine schöne Handschrift?", fragt Marina Richter und blickt mit einem zurückhaltenden Lächeln auf die Urkunde mit der Unterschrift von Bundespräsident Horst Köhler.

Auch eine Woche nach der feierlichen Verleihung im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei kann die Römhilder Lehrerin nicht recht glauben, was sie da in ihren Händen hält. Gemeinsam mit sechs weiteren Thüringern wurde sie bei dem aufregenden Festakt für ihr ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit des Landkreises Hildburghausen und für die Organisation von nationalen und internationalen Jugendaustauschen ausgezeichnet. Doch Kultusminister Christoph Matschie hatte nicht irgendeine Auszeichnung zu vergeben. Er würdigte Marina Richter und die anderen verdienten Thüringer mit der höchsten deutschen Ehrung, dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Ein Orden für viele

Bis heute weiß Marina Richter allerdings nicht, wer sie für die umgangssprachlich "Bundesverdienstkreuz" genannte Auszeichnung vorgeschlagen hat. Klar ist nur, dass die Anregung schon vor mehr als einem Jahr in der Thüringer Staatskanzlei eingereicht wurde, denn nicht Christine Lieberknecht, sondern der vormalige Ministerpräsident Dieter Althaus hatte den Vorschlag an Bundespräsident Köhler weiter gegeben.

Ohnehin steht die Römhilderin der Auszeichnung ein wenig zwiegespalten gegenüber: "Eigentlich habe ich den Verdienstorden nur stellvertretend erhalten, alleine habe ich ihn nicht erreicht. Hinter der Jugend- und Kinderarbeit steht ja ein ganzes Netzwerk von Lehrern, Eltern und Politikern, der Kreisjugendring und das Jugendamt im Landratsamt. Und nicht zu vergessen die Kinder - ohne die gäbe es ja überhaupt gar keinen Verein."

Plötzlich schwindet die Zurückhaltung der 52-Jährigen, denn wenn es um den Verein geht, ist Herzblut gefragt. Der Verein - das ist der Kinder- und Jugendmusikverein Römhild, den Marina Richter im August 1998 mit anderen eifrigen Mitstreitern ins Leben rief und dem sie von Anbeginn bis heute als Vorsitzende vorsteht. Damals, Ende der 90er Jahre, sah es um die Musik in der Grabfeldstadt eher schlecht aus. Nachdem das noch zu DDR-Zeiten gegründete Jugendblasorchester einige Jahre zuvor seine Arbeit eingestellt hatte, waren Eltern, Kinder und Musiklehrer auf der Suche nach einer musikalischen Alternative. "Wir wollten auch für diejenigen Kinder wieder eine sinnvolle Freizeitgestaltung schaffen, die nicht sportbegeistert sind und auch nicht vom Feuerwehrverein erreicht werden", erinnert sich die Vorsitzende an die Anfänge des Vereins.

Was mit 20 Kindern, viel Engagement, der Unterstützung der Kreismusikschule und den Instrumenten des früheren Römhilder Blasmusikorchesters begann, mauserte sich innerhalb von nunmehr zwölf Jahren zu drei Orchestern. Heute spielen unter dem Taktstock des musikalischen Leiters Gerald Wilhelm 128 junge Musiker aus Römhild, Mendhausen, Milz, Hindfeld, Haina und Westenfeld bei Karnevalsumzügen, den jährlichen Meininger Dampfloktagen, beim Theresienfestumzug oder beim Frühlingsfest der EGA. Dabei liegen zwischen den Vereinsküken aus dem Kindergarten und den "alten Hasen" fast zwei Jahrzehnte Alterstunterschied. Dass die Jugendlichen von damals dem Verein auch als Erwachsene trotz Studium, Beruf, Hausbau, neuem Wohnort und dem Beitritt in andere Blasmusikorchester treu geblieben sind, bestätigt wohl am besten das Konzept von Marina Richter. "Mir war es von Anfang an sehr wichtig, dass die Kinder möglichst schnell Auftritte und damit auch Erfolgserlebnisse bekommen. Da darf auch mal ein krummer Ton dabei sein, es sind ja schließlich Kinder." Zu der Ausbildung und Qualifikation kommt die Freizeitgestaltung im Verein, die weit über die Musik hinaus geht. Regelmäßig brechen die Musiker aus dem Grabfeld zu Übungswochenenden in Schullandheime auf, im Sommer steht in guter Tradition das zehntägige Übungslager in Ungarn auf dem Programm.

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Den Jugendmusikverein Römhild, dessen Vorsitzende sie ist, hat sie 1998 mit ins Leben gerufen. Foto: Vereinsarchiv
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Um die Organisation all der Übungsstunden und Prüfungen, der Freizeiten und Auftritte, aber auch um die Beschaffung von Fördergeldern und Instrumenten sowie die Gespräche mit Eltern und Lehrern kümmert sich die Vorsitzende. Da hilft natürlich die Organisationserfahrung als Englisch- und Musiklehrerin an der Römhilder Regelschule, an der die gebürtige Schalkauerin seit 1983 tätig ist. Zudem befasste sie sich als "Stellvertreter für Außerschulisches" schon zu DDR-Zeiten intensiv mit der Betreuung von Arbeitsgemeinschaften.

Neben dieser Erfahrung hat Marina Richter noch ein anderes Geheimnis für ihr erfolgreiches Engagement: die Unterstützung von ihrem Mann Peter und den vier Töchtern Angela, Barbara, Kathleen und Susanne. "Wenn die Familie nicht stimmt, dann muss man das gleich sein lassen", weiß die Leiterin des Römhilder Musikvereins, die seit Januar 2005 auch Vorsitzende des Kreisjugendrings Hildburghausen ist.

Selbstverständlich: Ehrenamt

Hier, im Dachverband der Jugendvereine des Landkreises Hildburghausen, gilt es über den eigenen Vereins-Tellerrand hinaus tragfähige Netzwerke zu bilden und die Zusammenarbeit im Sinne der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Eine Aufgabe, die Zeit und Enthusiasmus fordert, ebenso wie die Arbeit im Hauptausschuss und in der Mediengruppe des Blasmusikverbandes Thüringen. "Entweder macht man das gerne oder man sollte es lieber nicht machen. Für mich ist das keine Arbeit, sondern eine Selbstverständlichkeit."

Es wird wohl diese Leidenschaft, diese Begeisterung für das Ehrenamt sein, wegen der Marina Richter erfolgreich für den Bundesverdienstorden vorgeschlagen wurde. Eine Leidenschaft, die mehr aus dem Bauchgefühl heraus als aus einem verkopften Perfektionsstreben erwächst: "Man muss etwas tun, um etwas zu bewegen. Auch wenn es nicht immer perfekt ist, auch wenn es einmal Rückschläge gibt. Wenn immer nur alle nachdenken und nichts machen, dann geschieht auch nichts."

 
 
 

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