Meiningen - Diagnose Oberschenkelhalsbruch. Nach der erfolgreichen Operation im Klinikum ist die über 80 Jahre alte Dame geschwächt. Dabei war sie vor dem Unfall doch noch so fit, führte ihren eigenen Haushalt. Soll das jetzt vorbei sein? Pflegeheim statt eigene Wohnung?
Nein, das muss nicht sein. Die Anschlussbehandlung in der Geriatrie kann in sehr vielen Fällen genau das verhindern. Das Leben älterer Menschen wird wieder lebenswert. "Unsere Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent. Das ist beachtlich", bilanziert Alexander Pfeffer, Geschäftsführer der Sozialwerk Meiningen gGmbH, dem Träger der Geriatrischen Fachklinik Meiningen.
Der Bedarf an solchen Behandlungsmöglichkeiten ist in unserer alternden Gesellschaft groß und wird weiter wachsen. Die Auslastung der Meininger Klinik spricht Bände. Sie beträgt sagenhafte 99 Prozent. Wartezeiten sind unvermeidbar. Und so ist man von einem idealen Behandlungsablauf weit entfernt. Nach der Akut-Versorgung im Klinikum vergehen nicht selten drei bis vier Wochen, bevor ein Platz in der Geriatrie frei ist. Erfolgt die Einweisung gar vom Hausarzt, sind noch längere Fristen keine Seltenheit. "Die Patienten werden dadurch aber immobiler. Das ist natürlich alles andere als optimal. Unser Ziel ist daher die zeitnahe Übernahme aus der Vorbehandlung", so Pfeffer.
Diesem Ziel wird man ab Oktober einen großen Schritt näher kommen. Durch die seit September 2009 laufenden Bauarbeiten zur Erweiterung der Fachklinik "Georgenhaus" in der Ernststraße erhöht sich die Bettenkapazität von derzeit 75 auf 100. Die hohe Nachfrage und die langen Wartelisten haben letztendlich auch die Krankenkassen überzeugt. "Eine geriatrische Behandlung ist zwar teuer, durch die große Erfolgsquote werden aber die Pflegekassen deutlich entlastet", nennt Pfeffer den Hauptgrund. "Das Wesentliche darf man natürlich nicht vergessen: Es geht den Patienten anschließend besser!"
Ohne Fördermittel
Die von den Kassen genehmigte Budget-Erhöhung sowie positive Signale aus dem zuständigen Thüringer Gesundheitsministerium bildeten die Basis für die Millioneninvestition der Sozialwerk gGmbH. "Es gab zwar keine Fördermittel, doch die einmalige Chance. Daher haben wir die 3,68 Millionen Euro selbst aus Eigenmitteln und Fremdkapital aufgebracht", so Alexander Pfeffer. Das Geld werde ausreichen, um den im September 2009 begonnenen Neubau zwischen historischer Substanz und Dr.-Knüpper-Haus planmäßig fertig zu stellen. "Aufträge mit einem Volumen von 2,5 Millionen Euro sind erteilt, eine Million ist bereits abgerechnet." Zum überwiegenden Teil konnte man über beschränkte Ausschreibungen Firmen aus der Region binden und gute Preise aushandeln. "Wir hatten Glück und sind nicht in den Preis-Sog des Konjunkturprogrammes der Bundesregierung gekommen." Dass man bei den Kosten und dem Zeitplan absolut im Plan liegt, schreibt Pfeffer der guten Arbeit aller tätigen Firmen sowie der perfekten Bauleitung zu. "Wir sind sehr zufrieden."
In den vergangenen Monaten ist so ein moderner Bau entstanden, der sich an das historische Georgenhaus gefühlvoll anlehnt. Zum Großteil unterkellert, sind darüber drei Ebenen entstanden, mit denen die bisherigen Stationen deutlich vergrößert werden können. In der Ebene 1 entstehen neue Besprechungsräume, inklusive Chefarzt-Büro. Ebene 2 und 3 bekommen jeweils zwölf Zweibettzimmer, alle mit eigener Nasszelle und lichtdurchflutet durch eine große Fensterfront, inklusive tollem Blick auf Meiningen. Aufenthaltsräume und Stationsküchen ergänzen das Angebot. Der neue Kellerbereich wird dringend für die Archivierung von Akten und als zusätzlicher Stauraum benötigt.
Mitte Oktober
Die Rohbauarbeiten sind unterdessen abgeschlossen. Außer den Möbel- und Küchenbauern trifft man derzeit sämtliche Ausbaugewerke im Neubau an. Die Fertigstellung soll nach Angaben des Geschäftsführers stufenweise erfolgen. Schon Mitte August kann die Ebene 1 bezogen werden und der Umbau aller bisherigen Besprechungszimmer im Altbau zu Patientenzimmer beginnen. Mitte Dezember sollen diese dann auch fertig sein. Ab Mitte Oktober ziehen in den Ebenen 2 und 3 sukzessive die Patienten ein. "Die volle Kapazität von 100 Patienten werden wir gut eine Woche später erreicht haben." Zur Verfügung stehen ab Dezember sogar leicht über 100 Betten. "Das macht uns etwas flexibler."
Patienten der Geriatrischen Fachklinik kommen nicht nur in den Genuss von 25 Prozent größeren Zimmern als in einen normalen Versorgungskrankenhaus, auch der Personalschlüssel für ihre Betreuung liegt deutlich höher. Auf einen Patienten kommt etwa ein Mitarbeiter des medizinischen Personals. "Mit der Erweiterung stocken wir den Pflegedienst um 16 auf etwa 66 Mitarbeiter auf, Ärzte werden es dann 9 bis 10 sein. Hinzu kommen rund 20 Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden, außerdem 3 Mitarbeiter im Sozialen Dienst", zählt Pfeffer auf. Die entsprechenden Bewerbungsverfahren für die Personalaufstockung laufen bereits. Am 1. Oktober beginnt die Einarbeitungsphase. "Damit verbunden ist die Neuorganisation der Stationen, damit die neuen Mitarbeiter mit den erfahrenen zusammenarbeiten können."
Alexander Pfeffer ist überzeugt, dass sich mit der Investition die Versorgungssituation älterer Patienten in der Region deutlich verbessern wird. Und somit das Leben vieler Senioren lebenswert bleiben kann. In jedem Fall ein gute Nachricht.


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