FW Meininger Tageblatt

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Jubiläum
20 Jahre und nicht leise …
Am 20. Februar 1990 erschien das neue Meininger Tageblatt zum ersten Mal
Meiningen.  Am 20. Februar 1990 erhielt Meiningen die Pressefreiheit zurück. Nach fast 54 Jahren Unterbrechung durch
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Am 20. Februar 1990 wurde die Nummer 1 kostenlos verteilt. Auch bei Passanten auf dem Markt kam die neue Zeitung sofort gut an. Nach 54 Jahren Unterbrechung hatten die Meininger endlich wieder ihr Tageblatt.
Bild: D. Bechstein
Nazi-Diktatur und Sozialismus erschien das Meininger Tageblatt wieder. Die friedliche Revolution, engagierte Journalisten und die Bad Kissinger Verlegerfamilie Schachenmayer machten das möglich.

Ohne Siegfried Herzog hätte es das neue Meininger Tageblatt wohl nicht gegeben. Während viele 1989/90 nur über Alternativen zur sozialistischen Einheitspresse nachdachten, machte er rasch Nägel mit Köpfen. Damit hat er zwar so manchen vor den Kopf gestoßen – sein Engagement zur Wiederbelebung der Meininger Zeitung war aber ein riesiger Gewinn für Demokratie und Pressefreiheit in der Region.

Herzog, 1990 stellvertretender Chefredakteur von Freies Wort, suchte sehr intensiv nach Partnern. Vordergründiges Ziel war dabei, aus den angrenzenden West-Landkreisen Anzeigenkunden für Freies Wort zu gewinnen. Man wollte so die eigenständige Finanzierung der Zeitung sichern. Der Kontakt zum Kissinger Verlag Schachenmayer kam rein zufällig zu Stande. „Ich lernte den Chefredakteur der Saale-Zeitung bei einem Fußball-Freundschaftsspiel von Lok Meiningen und den Ostheimer Fußballern Ende November 1989 kennen“, erinnert er sich.

Private Treffen

Die ersten Gespräche mit der Verleger-Familie Schachenmayer waren aber eher unverbindlich, die Herausgabe einer eigenen Zeitung für Meiningen war (noch) kein Thema. Erste Unterstützung für das FW gab es aber schon aus Bad Kissingen in Form eines leihweise zur Verfügung gestellten Faxgerätes – das erste, das in Suhl zum Einsatz kam.

Später traf sich Siegfried Herzog mehrmals privat mit dem Chefredakteur der Saale-Zeitung, Ulrich Lutz. Aus einem vagen Gedanken entwickelten beide mehr und mehr ein konkretes Projekt – eine mit Meiningen und der Region eng verbundene Heimatzeitung, die unabhängig und überparteilich berichtet, die Interessen und tagtäglichen Probleme der Leser vor Ort ernst nimmt und aufgreift.

Doch die Geburt der neuen Zeitung sollte trotz knapper Zeit – man wollte ja anderen zuvor kommen – kein Schnellschuss werden. Am 12. Februar 1990 holte sich Herzog daher vom Runden Tisch in Meiningen die nötige Rückendeckung. In Bad Kissingen wurde danach per Handschlag mit Kuno und Bernd Schachenmayer die Zusammenarbeit besiegelt. Das eigentliche Abenteuer begann …

Daten-Grenzgänger

Der Anfang in Form der Gewerbegenehmigung war aus heutiger Sicht sehr schnell gemacht. Nur 30 Minuten hat es von der Antragstellung bis zur Ausfertigung mit allen speziellen schriftlichen Erläuterungen gedauert. Die Genehmigung der Aus- und Einfuhr von „Informationen“ war jedoch die höchste Hürde. Noch galten ja DDR-Gesetze. Und die machten es unmöglich, Informationen auf Datenträgern über die Staatsgrenze zu transportieren. Vom Rat des Kreises gab es dann aber eine Sondergenehmigung, die es erlaubte, Papiermanuskripte aus- und Zeitungen einzuführen.

Passende Gewerberäume waren in jener Zeit absolute Mangelware, noch dazu solche mit Telefonanschluss. So reduzierte sich die Auswahl dramatisch. Es blieb nur die Einmietung in der „Höhle des Löwen“, der SED/PDS-Kreisleitung in der Meininger Sachsenstraße 2a. Die Kreisleitung hatte schon an Bedeutung verloren, Zimmer waren dort frei. Ausschlaggebend war aber, dass dort die begehrten Telefonanschlüsse zur Verfügung standen. Sage und schreibe 20 Leitungen gingen in das Haus hinein und weitere 20 Leitungen heraus. Mindestens fünf davon brauchte die Redaktion, um arbeiten zu können.

Leicht waren die Verhandlungen mit dem damaligen 1. PDS-Kreissekretär aber nicht. Nach vielen Stunden dann die Einigung. Die PDS rückte weiter zusammen, räumte das Kellergeschoss und stellte die gewünschten fünf Telefonleitungen zur Verfügung. So konnten zwei Telefone, ein Faxgerät und zwei Fernschreiber installiert werden.

„Alte Hasen“ wichtig

Für die neue Tageblatt-Mannschaft war das ein Glücksfall, wenngleich aus der SED/PDS-Kreisleitungs-Adresse in der Anfangszeit immer wieder Vorwürfe gegen die junge Zeitung sowie ihre Mitarbeiter in Verlag und Redaktion gestrickt wurden. Die Zeit hat jedoch bewiesen, dass an diesen von Anfang an nichts dran war. Das Tageblatt war alles andere als eine SED-Zeitung, fühlte und fühlt sich noch heute ausschließlich der Heimat und ihren Menschen verpflichtet.

Anfang 1990 Mitarbeiter für alle Abteilungen eines völlig neuen Zeitungsverlages zu finden, war alles andere als einfach. Alle, die sich dazu bereiterklärten, gingen ein hohes persönliches Risiko ein. Nicht wenige gaben ihren zu dieser Zeit noch sicheren Job an anderer Stelle auf. Darunter auch erfahrene Freies-Wort-Redakteure, die die Nase voll hatten von der Arbeit als „Propagandisten“ für eine heile sozialistische Welt. Sie waren froh darüber, endlich frei arbeiten zu können, ihre Region mit all den bestehenden Problemen beschreiben und ihren Lesern die Welt, die für sie selbst noch so neu war, unzensiert erklären zu können. Ohne die Erfahrungen solch „alter Hasen“ wie Elisabeth Rocholl oder dem inzwischen verstorbenen Harald Meiß hätten auch die damaligen Jungredakteure nicht zu dem werden können, was sie heute sind. Wer wie Redakteur Dietrich Bechstein vom ersten Tag an dabei war, kann das noch heute bestätigen.

Eine Herausforderung war auch der Aufbau einer von der DDR-Post unabhängigen Zeitungszustellung. Früh um 5 Uhr das Tageblatt beim Leser zu haben, war etwas völlig Neues. Großen Anteil daran hatte der langjährige Vertriebsleiter Gerd Steger.
Ohne die Unterstützung aus Bad Kissingen wäre alles jedoch undenkbar gewesen. Das gilt auch für die erste Ausgabe, deren Erscheinen sich heute jährt. Die Akteure von damals erinnern sich noch genau: Es ging ziemlich chaotisch zu. Doch alle waren Feuer und Flamme, engagierten sich riesig. Nur das Erscheinen der Zeitung war wichtig, alles andere nebensächlich. Die Büros waren noch nicht eingerichtet, die Redakteure schrieben zu Hause auf alten Reiseschreibmaschinen – heute beinahe undenkbar.

Fusion mit Freies Wort

Wichtig war jedoch eines: Alle Journalisten konnten vom ersten Tag an völlig frei und ohne jede Gängelei schreiben. Das war vor allem Chefredakteur Ulrich Lutz zu verdanken. Redakteure von hier sollten die Zeitung für die Menschen von hier machen. Dabei ist es bis heute geblieben, auch wenn im Jahr 2001 aus ehemaligen Konkurrenten Freunde wurden. Mit Gründung der Meininger Mediengesellschaft fusionierten Freies Wort und Meininger Tageblatt zu FW Meininger Tageblatt. Damit wurde sichergestellt, dass Meiningens eigene Heimatzeitung eine Zukunft hat.

Neun Jahre später darf auch dieses Experiment als gelungen bezeichnet werden. Dabei sind wir einem Prinzip treu geblieben: Das Tageblatt bietet nach wie vor den umfangreichsten Lokalteil weit und breit. Doch wir verharren nicht in Tradition, sondern entwickeln uns weiter. Ein Beispiel dafür ist der Online-Auftritt www.fwmeiningertageblatt.de, der eine wichtige Ergänzung unserer Druck-Ausgabe darstellt.

Für die Zukunft ist eines sicher: Wir werden uns weiterentwickeln – im Interesse unserer Leser. Ralph W. Meyer 

Dateiname : Jubiläumsmagazin Meiningen
Dateigröße : 28,02 MBytes.
Datum : 30.04.2010 08:57
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Jubiläumsmagazin Meiningen
 
 

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