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Dabei hatte er noch bis zum Abi keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass seine berufliche Orientierung jemals eine solche Richtung nehmen könnte. Zumal es auch in seiner Familie keine „Vorbelastung“ gab. „Meine Familie kann mit medizinischen Berufen gar nichts anfangen. Ich bin da absolut der Erste“, schmunzelt er. „Gesundheits- und Krankenpfleger hat sich aber auch für mich erst später zum Traumberuf entwickelt.“
Ungeliebtes Studium
Die ersten Berührungspunkte damit hatte er 2004 während seines Zivildienstes auf der Intensivtherapiestation 2.4 des Klinikums. Danach aber begann er an der Fachhochschule Fulda ein Lebensmitteltechnologie-Studium und damit ein WG-Leben. Obwohl nicht allzu fern der Heimat, erkannte er schon bald sein Unbehagen in der Fremde. „Ich hatte Heimweh, Meiningen hat mir richtig gefehlt und ich bin deshalb jedes Wochenende nach Hause gefahren“, gesteht er heute. Meiningen – das war bis dahin sein Lebensmittelpunkt. Der Ort, an dem er geboren wurde, aufwuchs, die Schule besuchte und es soll auch künftig seine Heimat sein.
Keine Schreibtischkarriere
Nach einem halben Jahr nämlich hatte Marcel genug von Fulda und dem Studium, das ihn immer mehr an seiner Wahl zweifeln ließ. „Die Stadt fand ich unpersönlich, fast eine Nummer zu groß. Ich.bin eben nicht der Typ, der in eine große Stadt mit vielen Leuten ziehen muss. Meine Freunde sind in ganz Deutschland verstreut, aber ich bin in Meiningen am zufriedensten. Und auch die Umgebung ist spitzenmäßig“, schwärmt er von seinem Zuhause. „Außerdem hat es mich gereizt, wieder ins Krankenhaus zurückzukehren. Dort steht man immer unter Strom, ist ständig in Bewegung, hat täglich neue Herausforderungen. Das war mehr mein Ding, als stundenlang im Hörsaal zu sitzen und vielleicht irgendwann mal nach dem Studium an einem Schreibtisch zu enden.“
Also sprach er mit der Stationsleitung im Klinikum, reichte seine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ein und begann zunächst ein viermonatiges Praktikum auf der Intermediate-Care-Station 2.2 – wieder auf Ebene 2 des Klinikums, wo es Marcel von Anfang an hingezogen hat. Er wusste als Praktikant zu überzeugen und erhielt im September 2006 mit nunmehr 20 Jahren einen der gefragten Ausbildungsplätze.
Jahrgangsbester
In seiner Klasse an der Meininger Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales mit Azubis aus verschiedenen Krankenhäusern der Region gehörte Marcel unter den 28 Schülern zu den ältesten. Neben ihm erlernten noch vier weitere junge Männer den Pflegerberuf. Dass ihm die Schulausbildung zusagte, ließ sich schon bald an den Zensuren ablesen. Am Ende schloss er die dreijährige Ausbildung sogar als Jahrgangsbester ab.
Auf eine Karte gesetzt
Im zweiten Lehrjahr hatte Marcel die Station 2.3 näher kennengelernt, wo er auch sein Examen abschloss. Als im dritten Ausbildungsjahr Wünsche geäußert werden konnten, wo jeder eventuell mal arbeiten würde, hatte der junge Meininger die Antwort klar vor Augen. Kein Vergleich mit der Zeit in Fulda, wo er sich in Stadt und Studium recht verloren und fehl am Platz vorkam. „Ich wusste allerdings nicht, dass auf Station 2.3 tatsächlich eine Stelle frei sein würde. Erst kurz vor dem Examen habe ich erfahren, dass ich hier bleiben kann“, erinnert sich Marcel, der alles auf eine Karte setzte. „Ich habe mich nur in Meiningen beworben. Und es hat zum Glück geklappt. Ich finde das Meininger Krankenhaus toll. Ansonsten hätte ich mich aber auch bevorzugt in der Region beworben.“
Die berufliche Erfüllung ist die eine, das Privatleben die andere Seite. Reicht einem unternehmungslustigen jungen Menschen eine Kleinstadt für seine Freizeitgestaltung aus? „Ich bin sportlich sehr interessiert und sehr aktiv – gehe mit Bekannten Fußball spielen, jogge und lese gern. Das alles kann man auch in Meiningen tun. Ich muss mit 23 nicht mehr jedes Wochenende auf Partys sein, sondern gehe dann, wenn es besondere Highlights gibt“, meint Marcel. Dann sind da noch seine Familie und der Freundeskreis. Und wenn auch einige der Kumpels auswärts lernen oder arbeiten, so finden sie doch immer wieder mal den Weg nach Hause, nach Meiningen.
„Die Möglichkeit, wegzugehen, wäre auch für mich notfalls da gewesen, denn ich bin ungebunden. Doch es war die optimale Variante, dass ich in meiner Heimat nahtlos aus der Ausbildung in meine berufliche Zukunft starten konnte“, freut sich der 23-Jährige noch heute über die glückliche Fügung, die wohl auch etwas das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen widerspiegelt. Denn die jeweilige Station hat bei der Stellenbesetzung ein deutliches Wort mitzureden – und offenbar schätzten ihn die Kollegen dort. „Seine Leistungen waren so gut – er musste einfach hierbleiben“, sagt Sabine Kümpel, die Leitende Schwester im Klinikum und Stationsleiterin der 2.3., und fügt hinzu, man sei nach wie vor sehr zufrieden mit den Leistungen, die er bringe. „Hier stehen hohe Anforderungen an die Mitarbeiter, auch in technischer Hinsicht. Auf der Wachstation ist Hochleistungsmedizin, es bedarf einer längeren Einarbeitungszeit, man muss theoretisch und praktisch fit sein“, erläutert die Stationsleiterin.
„Ich wollte, außer in der Ausbildung, eigentlich nie auf einer Normalstation arbeiten, sondern immer auf Ebene 2“, erzählt der junge Pfleger. „Dort, in der Bereichspflege, ist man immer für ,seine‘ vier Patienten zuständig – frisch operierte Leute, vital bedrohte Patienten und Notfälle. Außerdem sind hier viele Fachabteilungen zusammengefasst – die Urologie, die allgemeine, viscerale und Gefäßchirurgie, die Neurochirurgie und teilweise die Unfallchirurgie. Das macht die Arbeit sehr vielseitig“, hat Marcel festgestellt. „Schön ist, wenn man sieht, dass es dem Patienten nach einer Weile wieder viel besser geht und dank dieser Fortschritte auf eine Normalstation verlegt werden kann.“ Zudem reizt den Berufseinsteiger die moderne Technik, mit der er hier umgehen kann.
Viele Übernahmen
Marcel Friedrich war nicht der einzige in der Klasse, der von seinem Ausbildungsbetrieb Klinikum übernommen wurde, insgesamt fanden immerhin 13 eine Anstellung. „Alle, die ihre Prüfung gut geschafft haben und bei uns bleiben wollten, dazu kamen noch Absolventen aus anderen Krankenhäusern, wenn es dort keine freien Stellen gab“, weiß die Leitende Schwester zu berichten. „Wir wollen doch Leute, die gut sind, in der Region halten.“ Und das gilt auch für die weitere Zukunft. „Wir haben in diesem Jahr 22 Azubis eingestellt, davor immer 18“, sagt Sabine Kümpel. „Denn der Pflegenotstand aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge fängt allmählich an. Deshalb müssen wir in Arbeitskräfte investieren und den jungen Leuten eine Chance in der Region bieten. Wenn sie einen guten Abschluss erreichen, ist ihre Übernahme unser Ziel.“
Gute Aussichten
In den Jahren zuvor standen nicht immer so viele freie Stellen zur Verfügung. Momentan aber ist die Situation günstig. Man muss nicht in die Ferne schweifen, um Gesundheitsberufe auszuüben. „Wir suchen im Klinikum ständig Personal. Es gibt immer noch freie Stellen. Und es sieht auch für nächstes Jahr nicht schlecht aus. Die jungen Menschen können optimistisch sein, wenn sie einen guten Berufsabschluss haben“, meint die Leitende Schwester. Speziell der Pflegerberuf sei flexibel und interessant, biete viele Entwicklungschancen und Spezialisierungsmöglichkeiten. Das sei bei den Leuten nur nicht so bekannt. Marcel kann das nur bestätigen. „Man entwickelt sich immer weiter, es gibt jeden Tag etwas Neues.“
Der richtige Weg
Ob er denn nie an seiner zweiten Berufswahl gezweifelt hat? „Der Schichtwechsel macht mir nichts aus, weder körperlich, noch psychisch. Allerdings hatte ich kurz vor den mündlichen Prüfungen mal so einen Punkt erreicht, wo ich mich gefragt habe: Warum tue ich mir das an?“ Über diesen Punkt ist er freilich längst hinweg. Jetzt spricht er von „Traumberuf“. Später mal würde er gern noch „in Richtung Pflegepädagogik gehen. und selbst theoretisch und praktisch ausbilden“. Aber erst einmal will er Berufserfahrungen sammeln. „Bücher sind die Grundlage, aber gut kann man erst durch praktische Berufserfahrung werden, um immer richtig reagieren zu können.“ Antje Schreyl


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