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Konzert
Aufs französische Spiel eingelassen
Hofkapelle bot Debussy, Fauré, Schumann
Meiningen. Gewiss doch, er hat jene Musik gekannt, ja geliebt, die in und für Leipzig geschaffen, in Wien zu Hause oder für Bayreuth komponiert worden war. Dennoch artikulierte der Franzose Claude Debussy sein Credo mit deutlicher Akzentuierung gegenüber dem musikalischen Geschehen, das sich östlich seines Vaterlandes kultiviert und mit der Zeit den Rest der Musikwelt dominiert hatte.

„Man muss die Disziplin in der Freiheit suchen und nicht in den Formeln einer brüchig gewordenen Philosophie, die nur für die Schwachen gut ist. Man darf nicht auf irgend jemandes Ratschläge hören, außer auf den Wind, der vorüberweht und uns die Geschichte der Welt erzählt“, so schrieb es seinerzeit Claude Debussy.

Die Meininger Hofkapelle und der sie an diesem Abend dirigierende Martin Hoff sind in jener musikalischen Tradition aufgewachsen, die der sinnstiftenden Ordnung, der geistigen Entwicklung und gestaltenden Aktivität des musikalischen Geschehens vertraut. Infolgedessen verdient es hohe Anerkennung, das sie sich hingebungsvoll auf musikalische Schöpfungen eingelassen haben, die das genaue Gegenteil ihrer „Philosophie“ sind.

Behutsame Flöte

Zögerlich und behutsam stimmte die Flöte (vielleicht der Franzosen liebstes Holzblasinstrument) das Motiv jenes Fauns an, dessen Begehren von den Nymphen erfüllt worden war und der nun in wohliger Wärme süßes Nichtstun genießt. Die Harfe, die Hörner gesellten sich ihr bei. Getupfte Harmonie breitete sich in den Streichern aus. Doch ein Rest eigener Vorprägung ließ die ganze Raiffinesse der Komposition nicht in deren reinste Sinnenhaftigkeit hinein auskosten.

Debussys Meininger „Prelude á Apres-midi d’un Faune“ – das ist eine weitgehende Annäherung von Deutschen an französische Genussfähigkeit geworden. Einmal auf die Artikulation von Impressionen eingestellt, erschien auch Gabriele Faurés Orchestersuite „Pellèas et Mélisande“ in diesem Fadenkreuz. Obwohl nicht völlig deckungsgleich mit dieser Stilrichtung ist auch bei diesem Franzosen ein hohes Maß an feinster Sensibilisierung wahrnehmbar. Mittels eines besonderen Grads an Farbigkeit und Wärme strebten die Ausführenden danach, diesem Meister der Nuancierungen gerecht zu werden. Langgezogene Streicherbögen bis ins Pianissimo hinein kamen in 1. Teil, lebhafte Pizzicatopassagen im Folgenden zum Vorschein. Noch einmal durften Flöte und Harfe eine Idylle im 3. Abschnitt hervorzaubern. Im gemächlichen Schreiten des Schlussteils ließ man noch einmal Eindruckskunst erblühen.

Damit es eine komplette Stunde der Meininger Holzbläsergilde werden möge, hatte man auch noch Debussys Klarinettenrhapsodie ins Programm genommen. Auf dem vom Orchester ausgebreiteten Klangteppich bekam Hagen Biehler hinreichend Gelegenheit, die ganze Bandbreite seines Könnens und seines Instrumentes zu demonstrieren. Denn der Komponist hatte ideenreich ins Auge gefasst, wie weich und wie hell, wie tief und wie hoch eine Klarinette zu führen ist. Als Biehler mit einem zugegebenen Donizetti aufgegipfelte Virtuosität vorführte,war das Publikum hellauf begeistert.

Heitere „Rheinische“

Der Aufführung von Robert Schumanns 3. Sinfonie, der „Rheinischen“, sehen Fachleute wie Laien noch immer mit besonderem Interesse entgegen. Denn die Frage, die sie umtreibt, ist stets die gleiche: Wie heiter ums Gemüt war es dem zu tiefer Melancholie neigenden Komponisten wirklich? Mit dem Wissen um die Ambivalenzen der Schumannschen Sinfonie, ließ Martin Hoff die beiden lebhaften Ecksätze durchaus kraft-, schwung- und freudvoll beginnen, betonte bei ersten auch dessen zweites Thema, um den letzten doch ein wenig übermütig enden zu lassen. Dazwischen wurde ein deutlich pointiertes Scherzo im nur leicht angedeuteten Ländlergestus vorgetragen, dann ein von Wehmut überschatteter Gesang angedeutet, dem eine feierliche Domszene folgte, die sparsam ins Mystische getrieben wurde.

Ja, es kamen dabei jene von Schumann angestrebten „volkstümlichen Elemente“ zum Vorschein. Doch auch die Überschattungen der Heiterkeiten blieben wahrnehmbar. Die Freiheit dieses musikalischen Subjekts konnte sich eben doch nur in Abhängigkeit von ihren inneren Nöten artikulieren.    A. Erck 
 
 

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