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Ein zu kurzes Kabel ist zu kurz." - So einfach und doch so kompliziert ist der alltägliche Wahnsinn in der saarländischen Provinz. Und genau aus dieser heimelig chaotischen Provinzidylle hat Stammtischler, Vereinsmeier und Hobby-Kosmopolit Heinz Becker ein zwei mal zwei Meter großes Kunstrasenstück ausgeschnitten. Bewaffnet mit diesem Stück Heimat, einem rumpeligen Klappstuhl und einem kleinkarierten Hemd, eroberte die Kunstfigur von Kabarettist Gerd Dudenhöffer am Samstagabend das ausverkaufte Stadttheater in Hildburghausen.
Kleinkariert ist allerdings nicht nur das weiß-braune Hemd des leidenschaftlichen Heimwerkers. Schließlich gilt neben der Kleiderwahl auch beim Schwätzen über Steuer, Staat und Guantanamo die Beckersche Familienweisheit: "Vorsicht beim Blick über den Tellerrand - dort zieht's!" Zum Glück gibt es aber auch unter dem Tellerrand noch einiges zu beobachten und in bewährt läppischer Stammtischmanier zu kommentieren: "Wenn die Politik die ganzen Arbeitslosen beseitigt, also abschafft, dann verdienen die Videotheken und Getränkehandlungen kein Geld mehr." Wenige verquere Gedankensprünge später ist Becker schließlich beim Solidaritätszuschlag angekommen. "Wenn die hier mit renovieren fertig sind, wenn alles picobello aufgeräumt ist, dann wird die Mauer wieder hingestellt. Und dann sind wir im Westen der Ostblock." Das Publikum grölt.
Leidenschaftlicher Spießer
Es grölt, wenn Dudenhöffer selbstgefällig von seiner Scholle aufschaut, es grölt, wenn er in breitem Dialekt und unnötig bildhaft Abtreibungspraktiken durch den Kakao zieht. Fast hätte es auch noch weitergegrölt, als er auf seinem Stück Heimatscholle zum Kehlkopfkrebs von Kumpel Otto geschwenkt ist. Aber irgendwann ist selbst am Stammtisch Schluss mit lustig. Dann wirkt sogar ein Heinz Becker ein wenig schwermütig, fast so schwermütig, als wenn er seinen feixenden Zuhörern über hinterhältige Putschversuche im Laienchor berichtet. Hier, in diesem Mikrokosmos in der saarländischen Provinz, schlägt Dudenhöffers bauernschlaue Menschenstudie treffsicher ein. Mal als chauvinistisch derber Tiefschlag, ein andermal als vorhersehbarer Schenkelklopfer.
Verlässt der Stammtischler von Welt diesen vertrauten Mikrokosmos, dann schwinden auch die teils bissigen, durchaus empörenden Ansichten eines leidenschaftlichen deutschen Spießers, der nur zu gerne an "den Führer, äh früher" zurück denkt, als es noch Ordnung gab und keine Kondomreklamen. Wird der Provinzler zum Kosmopolit, dann bleiben nur noch schale Sprüche über Neger - "bei denen sieht man den Schmutz nicht so" - und ein prolliges Philosophieren über die Legalität von thailändischem Sextourismus - "da behält Man(n) ja nichts zurück".
Dann schon lieber zurück in die saarländisches Provinz, wo gestandene Stammtischler wie Heinz Becker noch immer rote Ohren beim Wort "Penis" bekommen. Mehr braucht es auch nicht, um ein fernsehserienerprobtes Publikum an den Rande des Wahnsinns zu bringen - oder besser gesagt in Stufe zwei eines erfolgreichen Comedy-Satire-Abends: Es braucht nicht mehr die Kommentare des Batschkappenträger auf seiner Kunstrasenscholle, um zu lachen, es lacht ganz von allein. Dudenhöffer sei Dank.


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