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Ressort Feuilleton
Erschienen am 13.03.2010 00:00
Musik
Wenn der DJ die Kantate sampelt
Thüringen glänzt mit einem reichen und anspruchsvollen Programm zum 325. Geburtstag Johann Sebastian Bachs - und zwar weit über seine Grenzen hinaus.
Von Frank Hommel
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Wo Bach erklingt, das leuchtet's - auch noch 325 Jahre nach seiner Geburt.
Bild: ari

Die Pressekonferenz über Eisenachs Aktivitäten zum 325. Geburtstag Johann Sebastian Bachs ist eben vorbei, als Jörg Hansen in die Runde fragt, wer einen Blick in die neueste Ausgabe von Mobil geworfen habe. Das Bachland Thüringen wird im Bahn-Magazin ausgiebig gepriesen. "Da möchte jeder rein", frohlockt Hansen, Direktor des Eisenacher Bachhauses. Nicht zu Unrecht - bei einer Auflage von einer halben Millionen Exemplaren und einem Vielfachen reisebegeisterter Leser, die im kostenlosen Magazin während ihrer Zugfahrt durch Deutschland entspannt stöbern können.

Von den berühmten Thüringern, die im Land geboren wurden, ist Johann Sebastian Bach der größte. Am 21. März jährt sich sein Geburtstag zum 325. Mal. Begleitet von zahlreichen Aktivitäten in ganz Thüringen. Ein Abebben der Verehrung ist nicht in Sicht. "Er ist auf etwas Allgemeingültiges gestoßen", ergründet Hansen das Geheimnis des Komponisten.

Sonderausstellung in Eisenach

Sein Wirken garantiert Historikern noch immer Arbeit. Hansen: "Die Themen gehen uns nicht aus." Im Bachhaus beleuchtet ab 21. März eine Sonderausstellung die Entstehung Bach'scher Passionsmusiken. Höhepunkt ist das Original-Autograph der Lukas-Passion. Eine Leihgabe der Berliner Staatsbibliothek - und ein höchst umstrittenes Papier. Teile hat Bach notiert, Teile sein Sohn Philipp Emanuel. Doch Bach-Entdecker Mendelssohn hielt die Komposition für mangelhaft, sie könne unmöglich von Bach selbst stammen. 1966 aber tauchte in Japan die Neufassung einer Arie der Passion auf, die unzweifelhaft Bach zuzuschreiben ist.

Arnstadt organisiert Festival

Per Hörerlebnis mögen Besucher selbst urteilen. Insgesamt verfügt die Ausstellung über acht Hörstationen. Zum Jubiläum gibt es Bach-Musik auch live zu erleben. Etwa zum Geburtstag ab 10 Uhr beim Kantatengottesdienst in Eisenacher Georgenkirche, wo Bach getauft worden war. Oder ab 11.30 Uhr bei der Bach-Ehrung vorm Bachhaus. Dort singt auch die Kurrende, jener Chor, in dem schon Bach einst seine Stimme erhob.

Etwas weiter östlich, in Arnstadt, wo Bach seine erste Anstellung erhalten hatte, beginnt am kommenden Wochenende das Bach-Festival. Fast 50 Konzerte, Führungen, Lesungen, Theater-Abende und Vorträge, verteilt auf zehn Tage. Star-
Pianist Martin Stadtfeld eröffnet das Festival am Freitag in der Bachkirche - und freut sich, wie sein Management versichert, schon mächtig auf den authentischen Bach-Ort.

Um authentische Orte geht es auch beim Flaggschiff Thüringer Bachverehrung. Die Bachwochen starten mit der Langen Nacht der Hausmusik am 26. März. Am 27. März erklingt die Johannespassion in der Eisenacher Georgenkirche. Bis 18. April folgen noch mehr als 30 ausnahmslos hochwertige Konzerte im Bach-Gürtel zwischen Weimar und Eisenach, zwischen Mühlhausen und Ohrdruf.

Für Südthüringer Bachfans heißt das, der Rennsteig will bezwungen werden. Festival-Sprecher Jens Haentzschel schließt jedoch nicht für alle Ewigkeit aus, dass Südthüringen auch einmal im Festival-Kalender existiert. Obwohl der Meister dort nicht wirkte: "Was fehlt, ist ein klarer Wunsch. Aber es heißt ja nicht umsonst: Thüringer Bachwochen."

Bachwochen voller Spannung

Musikalisch weisen die Bachwochen längst Richtung Zukunft. "Wir wollen beweisen, wie lebendig das Werk Bachs heutzutage klingt", erklärt Festival-Leiter Silvius von Kessel. Dazu gehen die Macher Wagnisse an ungewöhnlichen Aufführungsorten wie dem Heizwerk in Erfurt und dem E-Werk in Weimar ein. Von Kessel: "Das Solistenensemble Kaleidoskop mit Dietrich Henschel in Weimar und das Kammerorchester Elbipolis in Erfurt verknüpfen ihre anspruchsvollen Aufführungen mit DJ-Sets, in denen Elektrokünstler die Bach-Musik der Barockensembles sampeln. Ein Ansatz, den die Bachwochen voller Spannung verfolgen."

Bach-Verehrern fällt in den kommenden Wochen mit Sicherheit die Auswahl schwer. Andererseits entfaltet diese Fülle eine beträchtliche Außenwirkung. 20 Prozent der Bachhaus-Besucher kommen aus dem Ausland, sagt Direktor Hansen. Cindy Geyersbach vom Stadtmarketing Arnstadt berichtet, fürs Bachfestival haben sich extra Besucher aus Tokio angemeldet. Konkurrenz belebt das Geschäft.

Bachwochen-Sprecher Haentzschel gewinnt dem Angebot über Marketing-Aspekte hinaus gute Seiten ab: "Die vielen Veranstaltungen zeigen aus meiner Sicht, wie vielfältig das Thema Bach bei uns in Thüringen verankert ist."

 
 

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