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Ressort Feuilleton
Erschienen am 13.03.2010 00:00
Malerei
Gleiche Wurzel, aber alles andere als Einheitsbrei
In der Kunsthalle Arnstadt ist bis 26. März die lohnenswerte Ausstellung "Die Steile" über die Neue Leipziger Schule zu sehen
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"Die Steile" heißt die Ausstellung in der Kunsthalle Arnstadt.
Bild:  

Bei der Kunsthalle Arnstadt kommt man nicht umhin, die Lokalität selbst zu erwähnen. Es ist die alte Taschenlampenfabrik am südlichen Rand der Bachstadt. Der rote Backsteinbau, vor seinem Bauch hängt ein Banner mit den Lettern "Kunsthalle", atmet Altehrwürdigkeit. Im zweiten Obergeschoss wird seit 2002 auf 630 Quadratmetern Kunst ausgestellt. Mit einer Deckenhöhe von 4,30 Metern bietet die Räumlichkeit Platz zur Entfaltung großformatiger Werke.

Alptraumhafte Aura

Gegenwärtig zeigt die Ausstellung "Die Steile" XXL-Formate von drei Absolventen der "Neuen Leipziger Schule". Wer in seinem Gehirn kramt, dem wird Neo Rauch dazu einfallen. Und dass der Begriff, der alles über einen Kamm schert, viel Kritik eingeheimst hat. Aber die Ziehväter dieser Malergeneration - die Professoren Arno Rink und Sighard Gille an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst - haben viele Studenten zur künstlerischen Reife begleitet. Die Schau mit ihren etwa 40 Werken bietet viel - nur keinen Einheitsbrei.

Der gebürtige Arnstädter Jan Dörre zerrt die Stillleben der holländischen Meister ans ungnädige Tageslicht der Moderne. Auch wenn sich bei ihm manches symbolbefrachtete Inventar der erstmals im Barock erschienen "stil" (niederländ: unbewegt) "leven" (Dasein) tummelt wie Zitronen, Hirschkäfer, Bücher, Spiegelungen oder Früchte - er ergänzt die Arrangements mit Zeitgemäßem wie Pillen, Fotos, Krawatten oder einem Swimmingpool.

Der Gedanke irdischer Vergänglichkeit bleibt augenscheinlich erhalten. Durch eine alptraumhafte Aura erzeugen die Bilder weit mehr Unbehagen, als das heutzutage den historischen Vorläufern gelingt.

Die konsequente Menschenleere löst Bedenken aus. Surreal flirrend provozieren die Bilder im Betrachterhirn einen Ton, der Gefahr verheißt. Auf den Werken - handwerklich brillant und von einem geheimnisvollen Schimmer durchzogen - erscheint gelegentlich eine dalieske Berglandschaft. Nur zwei Mal benutzt der 42-Jährige den bräunlich-düstern Schummer der alten Holländer.

Der Spionage verdächtig

Aufgelockert wird die Gravität seiner Werke durch die Bilder seiner Kollegen. "Sie haben bewusst keine strikte Aufteilung in drei getrennte Räume vorgenommen", sagt Dorsten Klauke, Leiter der Kunsthalle. Seit 2004 stellen die drei zusammen aus. Petra Ottkowskis geometrische Kompositionen changieren zwischen Fläche und Dreidimensionalität. Schatten und rätselhafte Lichter verursachen Irritationen. Modellzeichnungen für ein Lehrbuch der darstellenden Geometrie brachten die 1967 in Münster geborene Ottkowski auf das Spiel mit dem Inventar der Konkreten Kunst.

Zwischen den Extremen von Dörre und Ottkowski positionieren sich die impulsiven Chinatown-Impressionen von Jörg Ernert. Er hat unter anderem im vietnamesischen Großhandelszentrum in Leipzig Stellung bezogen und atmosphärische Momentaufnahmen skizziert. Bis er der Spionage verdächtigt wurde. Herausgekommen sind explosiv farbige Raumperspektiven. Ihre dynamische Unschärfe fasziniert. Der kraftvolle Gestus des 1974 in Leipzig geborenen Ernert übersteigert Raumerlebnisse expressiv und durchlichtet. bk

Bis 26. März, Kunsthalle Arnstadt, Angelhäuserstr.1, mittwochs bis freitags 12-18 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr.

 
 

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